Ein Fallbeispiel
Renata Arantes Villella
Das Beispiel der Mexikanerin R.A. Villella und ihrer Organisation Flor Amarela veranschaulicht, welche Herausforderung es ist, die soziale Auswirkung der Arbeit eines einzelnen Unternehmers zu quantifizieren und zu evaluieren.
Renata wurde im Jahr 1995 Ashoka Fellow. Sie setzt sich für ein umfassendes Modell für die Erziehung, Rehabilitation und gesellschaftliche Integration behinderter Menschen allen Alters ein. Im Jahr 2000 zeigte sich:
- Renata hatte eine High-School im ländlichen Raum Mexikos gegründet, die sich z.Z. um 200 behinderte Schüler kümmert.
- Sie arbeitete mit lokalen Krankenhäusern zusammen und führte dort einen Test für neugeborene Kinder ein, der eine frühe Diagnose und somit eine direkte Behandlung ermöglicht. Krankenhäuser verwiesen Kinder nach diesem Test direkt an Renatas Schule oder ihr Netzwerk.
- Sie veränderte und beeinflusste die Kommunal- und Landespolitik und erkämpfte öffentliche Gelder für spezielle Bildungsprogramme für Behinderte.
- Fast 600 Menschen nahmen bisher an ihren eigenen Workshops über pränatale Pflege und Therapie, Ernährung und Alkoholismus teil, einige der Gründe für Behinderungen.
- Sie sendet monatlich ein Radio-Programm über pränatale Fürsorge, das rund 5000 Menschen erreicht.
Doch die Zahlen allein reichen nicht aus um die verschiedenen Veränderungen zu beschreiben die durch Renatas Arbeit zustande gekommen sind. Folgendes gilt es zu beachten:
- Die 200 Schüler, die in der Flor Amarela School eingeschrieben sind, haben die Möglichkeit ein tiefgreifend verbessertes Leben führen, da jeder Einzelne unabhängig arbeiten kann und als Teil einer Familie und Gemeinschaft sein eigenes Potenzial und Selbstwertgefühl entdeckt. Die Familienmitglieder werden in diese Veränderungen direkt miteingebunden.
- Die Unterstützung der Krankenhäuser vertieft und erweitert Renatas Arbeit. Die Situation der Kinder, denen eine frühe Diagnose zuteil wird, kann schnell verändert werden und der Erfolg ist groß. Noch größer ist er für diejenigen, die auf Renatas Schule gehen. Zusätzlich verändert die Krankenhaus-Registrierung das traditionelle mexikanische Denken bezüglich Behinderung. Bevor Renata ihre Aufgabe aufnahm, wurden viele behinderte Menschen nicht an die Öffentlichkeit gelassen und vor der Gesellschaft versteckt. Solches Verhalten endest erst wenn eine öffentliche Institution wie ein Krankenhaus und geschätzte Persönlichkeiten wie die lokalen Ärzte, offiziell Behinderungen anerkennen,dokumentieren und Hilfe anbieten.
- Eine politische Trendwende kann sehr schwer quantifiziert werden, besonders die Zahl der Menschen, die davon betroffen sind. Die Gelder, die Renata von ihrer Stadt und vom Staat erhält, ermöglichen ihren lokalen Erfolg. Öffentliche Staatsgelder erreichen auch allerdings Unzählige außerhalb dieses lokalen Kontextes.
- Renatas Aufklärungsarbeit zur Verhinderung der Schädigung ungeborener Kinder, z.B. über das Radio, hat weitere Auswirkungen. Indikatoren wie die Nachfrage nach diesen Programmen oder die Anzahl der tatsächlichen Krankheitsfälle bei der Geburt können Aufschluss über die Reichweite dieses Projekts geben, sind jedoch bei einer so zerstreuten Zuhörerschaft schwer erfassbar.
Systemverändernde Wirkung
Renata bemüht sich darum, behinderte Menschen voll und ganz in die Gesellschaft als respektierte Persönlichkeiten zu integrieren. Dies geschieht jedoch nicht nur dadurch, dass diese Menschen an ihrem Programm teilnehmen, sondern auch teilhaben. Durch ihre Zusammenarbeit mit lokalen Krankenhäusern entsteht ein systematischer Prozess. der sowohl Personen mit Behinderungen als auch deren Gemeinden (Familien, Ärzte) bestärkt und so die allgemeine Auffassung über Behinderung verändert. Renata kann bestätigen, dass sich die Einstellung bezüglich Behinderung verändert hat. Familien gehen mit dem Thema anders um, Menschen mit Behinderung finden eine freundlichere Umgebung vor, mit mehr Möglichkeiten und weniger Ablehnung.
Nachhaltige Verbreitung und Wirkung
Die dritte Schwierigkeit sozialen Impakt zu messen, ist die nachhaltige Erfolgsmessung, da dies viel Zeit braucht. Ashoka sucht und fördert Personen, die nicht nur in ihrer eigenen Gemeinde etwas ändern möchten, sondern landesweit. Landesweit das System zu verändern dauert jedoch seine Zeit und ist nach den ersten Jahren noch nicht hinreichend zu beurteilen und zu messen.





