Unsere neuen Ashoka Fellows

 

Am 15. Mai haben wir sechs neue Sozialunternehmer in unser Netzwerk aufgenommen. Im Rahmen einer feierlichen Abendgala im Berliner Allianz-Forum  wurden die neuen Fellows den rund 400 Gästen vorgestellt. Die Zeremonie fand im Anschluss an die Ashoka Sozialunternehmerkonferenz statt. Auf der Konferenz diskutierten die Teilnehmer, darunter viele Fellows aus den vergangenen Jahren, wie sie gemeinsam gesllschaftliche Systeme tiefgreifend verändern können.

Das sind die Ashoka Fellows 2017:

+++Jan Wulf-Schnabel, Institut für Inklusive Bildung+++

Jan Wulf-Schnabel macht Menschen mit Behinderungen zu Botschaftern ihres eigenen Potenzials.

Inklusion von Menschen mit Behinderungen bleibt zu oft ein theoretisches Konstrukt, obwohl sie immer wieder als Priorität benannt wird. Indem er Menschen mit geistigen Behinderungen als Bildungsfachkräfte zum Thema Inklusion ausbildet, zeigt Jan Wulf-Schnabel ganz konkret Wege für erfolgreiche Inklusion auf. Die Bildungsfachkräfte geben an Universitäten und in der beruflichen Weiterbildung praxisnahe Kurse, um für die Fähigkeiten und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zu sensibilisieren. Einerseits werden so sinnvolle Jobs für Menschen mit Beeinträchtigungen geschaffen. Und andererseits erhalten Studierende die Kompetenz, Inklusion in ihren zukünftigen Berufen zu stärken, sei es als Lehrer, Sozialarbeiter oder Verwaltungsangestellter. Die Lehrenden werden dabei zu aktiven Botschaftern für ihr eigenes Potenzial und treten als Experten in eigener Sache auf. Ihre Behinderung wird zu einem essentiellen Beitrag für eine inklusive und barrierefreie Gesellschaft.

Seit 2013 haben die Bildungsfachkräfte in über 70 Seminaren, Vorlesungen und anderen Veranstaltungen mehr als 3000 Studierende und Berufstätige in Schleswig-Holstein erreicht. 2017 starten weitere Qualifizierungen im In- und Ausland. Mit dem Institut für Inklusive Bildung leistet Jan Wulf-Schnabel einen wichtigen Beitrag zur Öffnung der Universitäten für Menschen mit Behinderungen.

Mehr erfahren: www.inklusive-bildung.org

 

+++Jörg Schüler, Digitale Helden+++

Jörg Schüler befähigt Jugendliche, sich bei Cybermobbing und Konflikten im Internet gegenseitig zu unterstützen.

Fast jedes Kind besitzt heutzutage ein Smartphone. Damit steigen auch die Risiken, die die Digitalisierung mit sich bringt. Phänomene wie Cybermobbing sind weit verbreitet und können in besonders schweren Fällen zu Isolation und Depression führen. Die Beteiligten – Schüler, Eltern und Lehrer – sind in solchen Situationen oftmals überfordert.

Digitale Helden macht Schüler zu Mentoren zur Prävention von Cybermobbing und für mehr Internetsicherheit. Sie lernen alles zum Thema Digitaler Stress, führen selbst Informationsveranstaltungen für Schüler, Eltern und Lehrer durch und helfen als Peer-Coaches ihren Mitschülern im Fall von Cybermobbing, oder anderem Stress im Internet.

Das Digitale Helden-Curriculum verbindet Lernelemente sowohl online als auch offline. Schulen wird damit eine kostengünstige und flexible Teilnahme am Programm ermöglicht. Jörg vernetzt gleichermaßen die Schulen untereinander und mit zentralen Akteuren, wie Jugendämtern oder Polizei. Erfolgsbeispiele und Tipps können dadurch leicht ausgetauscht sowie Prozesse für den Umgang mit schwerwiegenden Fällen aufgebaut werden. Kurzum: Digitale Helden schafft kostengünstige, nachhaltige Strukturen für Prävention und Intervention bei digitalen Notfällen und hilft Schülern digitale Empathie zu entwickeln – mittlerweile an 85 Schulen. Gemeinsam mit Partnerorganisationen, möchten Jörg und sein Team das Modell nun deutschlandweit skalieren.

Mehr erfahren: www.digitale-helden.de

 

+++Florian Zech, AMANDLA / Safe-Hubs+++

Florian Zech ermöglicht Lebensperspektiven für benachteiligte Jugendliche durch die kluge Verzahnung von Hilfsangeboten.

Viele Jugendliche in Südafrikas Townships sind gefangen in einer Abwärtsspirale aus Arbeitslosigkeit, Langeweile und Kriminalität. Vereinzelte Programme gibt es viele, jedoch sind diese selten miteinander harmonisiert, nicht nachhaltig finanziert und finden keinen Zugang zu den Jugendlichen.

Mit dem Konzept der Safe-Hubs ermöglicht Florian Zech benachteiligten Jugendlichen einen sicheren Ort für persönliche Entwicklung. Das Besondere: (1) Safe-Hubs bieten nicht nur eigene Programme an, sondern integrieren Programme anderer nichtstaatlicher und staatlicher Akteure. So entsteht ein ideal aufeinander abgestimmtes Angebot aus Beratung, sportbasierten Bildungsprogrammen und Arbeitsvermittlung. (2) Safe-Hubs sind langfristig finanziell tragend: Einmal gebaut, tragen die Hubs ihre Kosten selbst, unter anderem durch Einnahmen aus Vermietung von Räumen und Werbeflächen. (3) Durch ihre weite Verbreitung können Jugendliche flächendeckend erreicht werden. Florian hat Safe-Hubs in eine regionale Jugendstrategie überführt; der Bau von 69 Hubs in Südafrika ist bereits geplant.  Als nächsten Schritt hat sich Florian die global Verbreitung seines Konzepts als soziales Franchise vorgenommen.

Mehr erfahren: www.edufootball.org

 

+++Daniel Kerber, More Than Shelters+++

Daniel Kerber entwickelt und verbreitet Innovationen, die würdige Lebensräume für Menschen auf der Flucht ermöglichen.

„Trocken, sauber, satt“, so die weit verbreitete Devise in der humanitären Hilfe für Geflüchtete. Dieser Ansatz wird der Situation der Menschen vielfach nicht gerecht; Die Verweildauer in den Camps im Süden oder den Ankunftszentren im Norden, ist teilweise extrem lang. Menschliche Schutzbedürfnisse bleiben auf der Strecke, wichtige Chancen zur Integration werden verpasst.

Daniel Kerber entwickelt ganzheitliche Lösungen zur Gestaltung von Lebensräumen für Geflüchtete. Begonnen hat er seine Arbeit im momentan größten Flüchtlingscamp Zaatari (Jordanien). Heute arbeitet er auch in Transitzonen und mit Ankunftszentren in Deutschland, wie z.B. Berlin Tempelhof. Sein Team entwickelt innovative wie übertragbare Ideen, unter anderem für Unterbringung, Müllmanagement und Einkommensgenerierung. Im Fokus steht nicht nur die Einbeziehung aller Beteiligter – von Geflüchteten und Einheimischen über den Staat bis zur lokalen Wirtschaft. Immer sind die Betroffenen Teil bzw. ein zentraler Grundstein für die Güte der Lösungen und für gelungene Integration.

Durch die vielfältige Projektarbeit wurde viel übertragbares Wissen über die Gestaltung von Lebensräumen generiert. Daniels Mission ist es nun, dieses Wissen global zu verbreiten und große humanitäre Organisationen dabei zu unterstützen, innovative Lösungen für Menschen auf der Flucht anzubieten.

Mehr erfahren: www.morethanshelters.org

 

+++Kai Gildhorn, Mundraub+++

Kai Gildhorn verbindet Mensch und Natur durch die Wiederbelebung der Obstallmende.

Öffentliche Obstbaumbestände sind eine unterschätzte Ressource: Die frei zugänglichen Baumbestände im Land Sachsen-Anhalt würden ausreichen, um den saisonalen Obstbedarf der gesamten Bevölkerung zu decken. Leider bleiben sie meist ungenutzt. Lebensmittelverschwendung, der Verlust von Biodiversität und kulturellem Erbe sowie steigende Entfremdung zur Natur sind die Folgen.

Mit Mundraub schließt Kai Gildhorn die Lücke in der Wertschöpfungskette der Obstallmende. Auf seiner Plattform mundraub.org tragen private Nutzer und Katasterämter öffentlich zugängliche Obstbaumbestände ein. In Gruppen organisieren sich Bürger zu gemeinsamen Erntefesten, Umweltbildungs-, oder Baumschnittaktionen. Kai gibt ihnen eine Struktur, methodische Anregungen und eine Identität als Mundräuber.

Mit Kommunen und Unternehmen arbeitet Kai an der Wiederbelebung von städtischem und ländlichem Raum durch Obstallmende, z.B. mittels der Erstellung von Tourismuskonzepten. Im Mittelpunkt dieser Modelle steht die Einbindung der Bürger, welche Verantwortung für ihre Umgebung übernehmen und so Nahrung, Biodiversität und Kulturgut erhalten. Mit Erfolg: Jeder fünfte Deutsche kennt inzwischen mundraub.org.

Mehr erfahren: www.mundraub.org

 

+++Martin Aufmuth, EinDollarBrille+++

Martin Aufmuth schafft Zugang zu Brillen und damit eine Basis für ökonomische Teilhabe im globalen Süden

Mehr als 150 Millionen Menschen auf der Welt brauchen eine Brille allein für Kurzsichtigkeit, können sich aber oftmals keine leisten – mit schwerwiegenden Folgen: Kinder können nicht lernen, Eltern können nicht arbeiten und für ihre Familien sorgen. Die geschätzten ökonomischen Verluste belaufen sich auf der Höhe der gesamten globalen Zahlungen von Entwicklungsgeldern. Neben fehlenden Brillen, mangelt vielen Betroffenen auch an Bewusstsein über dieses Problem.

Mit der EinDollarBrille hat Martin Aufmuth ein System entwickelt, das Menschen Zugang zu bezahlbaren Brillen ermöglicht. Er hat eine transportable Biegemaschine für leicht herstellbare, robuste Brillen erfunden. Die Materialkosten pro Brille entsprechen rund einem US-Dollar. EinDollarBrille-Optiker werden ausgebildet, um die Diagnose, Herstellung, Verkauf und Instandhaltung der Brillen vor Ort selbst zu übernehmen. Damit schafft er ein Social Business Modell, das sich selber tragen kann. Der Vertrieb der Brillen läuft in enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren, wie Dorfvorstehern und Kirchen. Durch diese Kooperationen schafft Martin Vertrauen bei den Betroffenen und erhöht deren Problembewusstsein. Als globales Franchise hat EinDollarBrille mittlerweile Ableger in acht Ländern und bereits über 60.000 Brillen verkauft.

Mehr erfahren: www.eindollarbrille.de

 

Übrigens: Wie sie vielleicht schon festgestellt haben, sie sind unsere neuen Fellows dieses Jahr allesamt Männer. Das war zwar keineswegs so geplant, vermindert aber nicht unser Freude über den Zuwachs! Nichtsdestotrotz haben wir uns vorgenommen, im nächsten Jahr besonders nach weiblichen Sozialunternehmern Ausschau zu halten. Denn wir wissen, es gibt sie genau wie die Männer: Die Frauen, die die Welt bewegen. Helfen Sie uns bei der Suche, in dem Sie neue Fellows nominieren!

 

Hier geht es zu den Videos über die neuen Ashoka Fellows >>>

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